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Die ehemalige Gewerbeschule

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Gewerbeschule Worms
Gewerbeschule vor 1903
Gewerbeschule Worms
Gewerbeschule nach 1903

Die ehemalige Gewerbeschule in Worms wurde in den Jahren 1886/87 von dem Architekten Karl Hofmann im Auftrag des Ortsgewerbevereins errichtet. Ziel war es, das notwendige Wissen und handwerkliche Können für das Gewerbe zu vermitteln. Das Gebäude zählt zu den ersten Bauwerken Hofmanns, der kurz darauf zum Stadtbaumeister von Worms berufen wurde. Zunächst entstanden wichtige kommunale Bauten, bevor sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Weststadt jenseits der Bahnlinie zu einem bevorzugten Wohngebiet entwickelte.


Das dreigeschossige Gebäude zeichnet sich durch eine streng gegliederte Fassade aus, die unter anderem durch Gurtgesimse strukturiert wird. Die Westfassade besitzt sieben Fensterachsen, wobei die äußeren Achsen durch doppelte Lisenen sowie im Obergeschoss durch dorische Doppelpilaster hervorgehoben sind. Diese Gestaltungselemente bestehen aus vorgesetzten Ziegelsteinen und werden durch dunkle, rötliche Rustika gegliedert. Auch die Gebäudeecken und Fensterrahmungen sind auf diese Weise betont. Die Schmalseite wird durch einen Risalit mit Dreiecksgiebel und ein großes Ädikulaportal mit Freitreppe akzentuiert. Ursprünglich handelte es sich um einen rechteckigen Solitärbau mit je einer Fensterachse rechts und links des Risalits. Später wurde das Gebäude durch einen L-förmigen Anbau erweitert, wodurch es mit einem benachbarten Bau verbunden wurde. In diesem Zuge kamen nach Osten weitere sieben Fensterachsen sowie ein zusätzlicher Eingang mit Freitreppe hinzu.

Grundriss der Gewerbeschule
Grundriss der Gewerbeschule
Plan der Stadt Worms, Hofmann K., Worms 1891
Plan der Stadt Worms, Hofmann K., Worms 1891

Die Baugeschichte zeigt, dass die bestehende Gewerbeschule aufgrund von Raummangel ersetzt werden musste. Nachdem 1885 ein Grundstück kostenlos zur Verfügung gestellt worden war, konnte die Finanzierung durch Spenden, Beiträge der Stadt Worms sowie ein Darlehen der Sparkasse gesichert werden. Bereits 1887 wurde die Schule eröffnet. Schon wenige Jahre später, 1891/92, besuchten etwa 650 Schüler die Einrichtung, obwohl der Bau lediglich für 400 ausgelegt war. Dies führte 1903 zur Fertigstellung eines Anbaus. 1927 wurde dieser aufgestockt und um einen Toilettenanbau ergänzt. 1976 zog die Gewerbeschule in einen Neubau um. Das historische Gebäude wurde anschließend renoviert und für verschiedene Zwecke genutzt, unter anderem als Jugendmusikschule, Volkshochschule und Kindertagesstätte. 2004 erfolgte ein Akustikausbau der Aula. Nach einem Wasserschaden im Jahr 2019 wurden jedoch erhebliche Mängel im Bereich Statik, Brandschutz und Haustechnik festgestellt, sodass Jugendmusikschule und Volkshochschule das Gebäude nicht mehr nutzen konnten. Lediglich die Kindertagesstätte im späteren Anbau blieb weiterhin in Betrieb.
Die Gewerbeschule profitierte von zahlreichen Spenden aus der Bürgerschaft. Bereits die ursprüngliche Inneneinrichtung wurde weitgehend gestiftet. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Ortsgewerbevereins im Jahr 1891 schenkte Cornelius Wilhelm von Heyl zu Herrnsheim eine Sammlung von Gipsabgüssen aus der Renaissance. Darüber hinaus erhielt die Schule zahlreiche Lehr- und Anschauungsmaterialien, darunter Tapetenmuster, eine Mineraliensammlung, Walzeisenprofile, Werkzeuge, Modelle von Steinhauerarbeiten, Lehrbücher sowie Materialien für Werkstätten und sogar ausgestopfte Tiere.
Architektonisch handelt es sich um einen monumentalen Solitärbau im Stil der Neorenaissance, der durch den Anbau von 1902/03 erweitert wurde. Das Dach ist flach geneigt und verfügt über einen Glasaufbau zur Belichtung der Innentreppe. Hinter dem Portal im Erdgeschoss befinden sich das repräsentative Treppenhaus und das Vestibül, von dem aus das Direktorenzimmer und das Lehrerzimmer zugänglich waren. Die Unterrichtsräume gruppieren sich um das Treppenhaus, sowohl im Hauptbau als auch im Anbau. Im Obergeschoss erschließt eine Galerie weitere Lehrsäle.
Wormser Gewerbeschule
Gewerbeschule Zeichensaal, Worms 1928
Wormser Gewerbeschule
Werkstatt für Kunstschmiede und Schlosser

Der Unterricht war in theoretische und praktische Ausbildung gegliedert. Tagsüber wurde in Fächern wie Rechnen, Geometrie, Physik, Buchhaltung sowie im Zeichnen unterrichtet. Ergänzend dazu fand abends die praktische Ausbildung in Werkstätten statt, die sich überwiegend im Sockelgeschoss befanden. Dort arbeiteten unter anderem Bauhandwerker, Schreiner, Dekorationsmaler, Kunstschmiede und Schlosser.
Heute ist die ehemalige Gewerbeschule, die seit 2003 den Namen Karl-Hofmann-Schule trägt, Teil des Bildungszentrums in Worms an der Von-Steuben-Straße. Das historische Gebäude in der Gewerbeschulstraße 20 steht unter Denkmalschutz, weist jedoch erhebliche bauliche Mängel auf. Seit 2019 wird das Hauptgebäude nicht mehr genutzt und steht zum Verkauf.




 
 
 
 
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