Dr. Martin Luther in der Philatelie
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Wasserturm

Zeichnung von Karl Hofmann 1889, erhalten von Willi Stauss Zeichnung von Karl Hofmann 1889, erhalten von Willi Stauss

Der Wormser Wasserturm wurde in den Jahren 1889 bis 1890 von Stadtbaumeister Karl Hofmann errichtet und gehört zu den markantesten Wahrzeichen der Stadt. Der 58 Meter hohe Rundturm mit seinem charakteristischen Zeltdach ist im lokaltypischen Nibelungenstil beziehungsweise in der Wormser Neuromanik gestaltet. Als Bauwerk aus Ziegel- und Sandstein prägt er bis heute das Stadtbild, insbesondere im westlichen Teil von Worms. Ursprünglich diente der Turm der Wasserversorgung und war mit einem 1200 Kubikmeter fassenden Tank ausgestattet, der die Stadt über einen Zeitraum von 72 Jahren zuverlässig versorgte. Erst im Jahr 1962 wurde der Betrieb eingestellt, woraufhin der Turm über mehrere Jahrzehnte hinweg ohne Nutzung blieb.


Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Wasserturm in ein größeres städtebauliches Konzept eingebunden. 1898 fiel die Entscheidung, den ursprünglich als Solitärbau errichteten Turm in eine Platzanlage einzufügen. In diesem Zusammenhang entstanden die Eleonorenschule in den Jahren 1904 bis 1906 sowie die Lutherkirche im Jahr 1912. Gemeinsam mit dem Wasserturm bilden diese Gebäude ein architektonisches Ensemble, das dem heutigen Karlsplatz seine prägende Gestalt verleiht.
Wormser Wasserturm © Frank Schumann
Nach rund 45 Jahren des Leerstands beschloss die Stadt Worms im Jahr 2006, den zunehmend verfallenden Turm zu verkaufen, um eine sinnvolle Nachnutzung zu ermöglichen. Im selben Jahr wurde das Gebäude von der eigens gegründeten Grundstücksgesellschaft „Wormser Wasserturm“ für den symbolischen Preis von einem Euro erworben. Diese Gesellschaft bestand aus einem Kreis von Unterstützern um den Architekten Willi Stauss, der die Planung und Bauleitung des Umbaus übernahm. Sein Ziel war es, dem historischen Bauwerk neues Leben einzuhauchen und es einer zeitgemäßen Nutzung zuzuführen.
Ab 2007 begann die umfassende Sanierung und der vollständige Umbau des Inneren. Dabei wurde großer Wert darauf gelegt, den äußeren Charakter des denkmalgeschützten Turms zu erhalten, während im Inneren moderne Wohn- und Arbeitsräume entstanden. Insgesamt wurden auf neun Ebenen fünf Wohnungen sowie eine Bürofläche eingerichtet. Die größten Wohnungen erstrecken sich über mehrere Stockwerke und bieten jeweils etwa 156 Quadratmeter Wohnfläche.
Die Umbauarbeiten erfolgten in mehreren Phasen. Zunächst musste der Turm gründlich gereinigt und insbesondere das stark beschädigte Dach erneuert werden. Hierbei kamen neue Falzbiberziegel zum Einsatz, die den ursprünglichen Ludowici-Ziegeln nachempfunden sind. Anschließend wurden die alten Versorgungsleitungen sowie die Absperrstation fachgerecht entfernt, während der historische Wasserverteiler erhalten blieb und weiterhin besichtigt werden kann. Ein Großteil des Wassertanks – etwa 80 Prozent – wurde zurückgebaut, teils in Eigenleistung durch das Projektteam.
Daraufhin erfolgte die Errichtung der neuen Geschosse im Inneren durch Betonarbeiten, die von Fachfirmen durchgeführt wurden. Der Innenausbau umfasste außerdem den Einbau eines Aufzugs, das Errichten von Innenwänden, die Installation von Fenstern sowie eine innenseitige Wärmedämmung. Abschließend wurden sämtliche haustechnischen Anlagen wie Heizung, Sanitär und Elektrik installiert und Feinarbeiten wie Fliesen- und Malerarbeiten ausgeführt. Die Fertigstellung erfolgte schrittweise: Bereits 2011 waren große Teile der Wohnungen bezugsfertig, während die letzten Arbeiten erst 2015 abgeschlossen wurden.
Heute erfüllt der Wasserturm eine Mischnutzung aus Wohnen und Gewerbe und stellt ein gelungenes Beispiel für die Umnutzung eines historischen Funktionsbaus dar. Das Projekt verdeutlicht, wie durch sorgfältige Planung und großes persönliches Engagement ein denkmalgeschütztes Bauwerk erhalten und gleichzeitig an moderne Anforderungen angepasst werden kann. Dabei blieb der äußere Charakter des Turms bewahrt, während im Inneren zeitgemäßer Wohnraum entstand. Der Wasserturm verbindet somit auf eindrucksvolle Weise historische Substanz mit gegenwärtiger Nutzung und trägt weiterhin zur Identität des Wormser Stadtbildes bei.


Eleonorenschule und Wasserturm in Worms
Eleonorenschule und Wasserturm in Worms
Eleonorienschule - Wasserturm - Worms
Eleonorienschule - Wasserturm - Worms
Worms - Wasserturmplatz
Worms - Wasserturmplatz
Wasserturm - Eleonoren Gymnasium
Wasserturm - Eleonoren Gymnasium
Worms - Partie am Wasserturm
Worms - Partie am Wasserturm
Wasserturm - Dalbergerstrasse - Worms
Wasserturm - Dalbergerstrasse - Worms
1898 Mondscheinpostrkarte Worms - Dom - Andreasstift - Wasserturmm - Ludwigsplatz
1898 Mondscheinpostrkarte Worms - Dom - Andreasstift - Wasserturmm - Ludwigsplatz
alte Litho-Ak Worms - Mehrbild - Stadtansicht - Festhaus - Dom - Lutherdenkmal - Wasserturm - gelaufen 1899
alte Litho-Ak Worms - Mehrbild - Stadtansicht - Festhaus - Dom - Lutherdenkmal - Wasserturm - gelaufen 1899
1895 Postkarte - Worms - Stadtansicht - Dom - Festspielhaus - Rathaus - Wasserturm
1895 Postkarte - Worms - Stadtansicht - Dom - Festspielhaus - Rathaus - Wasserturm


STECKBRIEF
Name: Wasserturm Worms
Ort: Worms, Rheinland Pfalz, Deutschland, Adresse: Karlsplatz 1
Architekt: Stadtbaumeister Karl Hofman / 2007 Willi Stauss
Baujahr: 1889 - 1890 / 2007 -2011
Architekturstil: Niebelungenstil, Wormser Neuromanik
Typologie: Rundturm mit Zeltdach
Höhe: 58 Meter Hoch
Bauweise: Ziegel und Sandsteinbau
Funktion:
1. 72 Jahre Wasserversorgungszentrum der Stadt Worms 1890 - 1962
2. Seit 2011 Mischnutzung für Wohnen und Gewerbe

Wohnen im Wasserturm Worms - so sieht das aus

 
 
 
 
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